Die Trave im Orient

Lübecker Spuren im deutsch-jüdischen Jerusalem

Thomas Sparr führt die debattierfreudige Gemeinschaft deutsch-jüdischer Exilierter im Jerusalemer Stadtviertel Rechavia zusammen, darunter Martin Buber, das Ehepaar Scholem, Hans Jonas, Else Lasker-Schüler; nach der Staatsgründung Mascha Kaléko, Anna Maria Jokl, Hannah Arendt, Peter Szondi, als Gast Celan.

Importierte Gewohnheiten und bürgerliche Annehmlichkeiten spielen bei der Einübung in den Alltag in Eretz Israel keine geringe Rolle. Die Typografin Franziska Baruch erfindet das Marzipan neu und gestaltet die Marke frei nach Alfred Mahlau, das Holstentor weicht den Mauern und Zinnen eines stilisierten Jerusalem – umarmt von Else-Lasker Schüler als ihr Zion, ‚Vorhimmel des Himmels‘.

Andere sehen es nüchterner. Das Bourgeoise wie das Himmlische strandet notorisch an der intellektuellen Skepsis des ‚Kabbalisten‘ (und Marzipanfreundes) Gershom Scholem, der eine zentrale Stellung in der Gesellschaft Rechavias behauptet. Kontrovers auch Scholems Verhältnis zu Hannah Arendt. Ihr Buch „Eichmann in Jerusalem“ führte nach 1963 zum Bruch.

Der spätere Justizminister und Richter am Obersten Gerichtshof Israels Chaim Cohn (Lübeck 1911 – Jerusalem 2002), Enkel des Lübecker Rabbiners Salomon Carlebach, trug neben Fritz Bauer wesentlich zur Ergreifung Eichmanns bei – als Generalstaatsanwalt setzte er den Mossad auf ihn an. Seine Erinnerungen liegen bisher nur auf Hebräisch vor. 

Vor dem Hintergrund seiner Jahre an der Hebräischen Universität und am Leo-Baeck-Institut in Jerusalem erweitert Thomas Sparr, aufgewachsen in Lübeck, langjähriger Leiter des Jüdischen Verlags, später stellvertretender Leiter des Suhrkamp Verlags, sein Buch „Grunewald im Orient“ um ein ungeschriebenes Lübecker Kapitel.

22.08.2018 um 19:30 Uhr
im Lübecker Dielenhaus 

Fleischhauerstraße 79 
Eintritt 8 EUR 

Veranstalter und Vorverkauf:
Buchhandlung maKULaTUR, Hüxstr. 87, Lübeck
Telefon Di - Sa 0451/ 707 99 71
buchhandlung@makulatur.com 


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